Handchirurgie

Tendovaginitiden

Sehnenscheidenentzündungen der Hand

Schnappt Ihr Finger morgens beim Aufwachen ein?

Ein Finger klemmt in der Beugung fest und springt mit einem hörbaren »Schnappen« wieder frei – manchmal hilft nur die andere Hand nach. Andere spüren einen stechenden Druckschmerz in der Handfläche beim Faustschluss oder Schmerzen am Handgelenk Richtung Daumen, die in den Arm ziehen.
Solche Beschwerden deuten auf eine Sehnenscheidenentzündung hin – einen Springfinger oder eine Tendovaginitis de Quervain. Beide sind gut behandelbar, sollten aber nicht zu lange ignoriert werden.

Tendovaginitiden sind Entzündungen oder Reizungen der Sehnenscheide – der schützenden Gleitschicht um die Sehnen. An der Hand treten sie am häufigsten als schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans) und als Tendovaginitis de Quervain (1. Strecksehnenfach) auf.

Schnellender Finger (Tendovaginitis stenosans)

Der Springfinger entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Sehnendurchmesser und Sehnenscheidenöffnung am Ringband A1. Eine entzündliche Verdickung lässt den Finger beim Beugen und Strecken schnellen oder blockieren.

Entstehung

Das fibröse Ringband A1 an der Basis jedes Fingers bildet den Engpass. Durch repetitive Belastung, Mikrotraumata oder systemische Erkrankungen (Diabetes mellitus, rheumatoide Arthritis) verdicken sich Sehnenscheide und/oder Sehne – es entsteht eine Stenose.

Symptome

  • Schmerzhaftes Schnellen oder Blockieren des Fingers beim Beugen/Strecken

  • Druckschmerz über dem Grundgelenk (Ringband A1) an der Handfläche

  • Morgens oft ausgeprägter (»morning stiffness«)

  • Im fortgeschrittenen Stadium: fixierte Beugekontraktur

  • Bevorzugt Daumen, Ring- und Mittelfinger betroffen

Diagnose

Die Diagnose ist klinisch: typische Anamnese und tastbares Schnapp-Phänomen über dem A1-Ringband. Ultraschall kann die Verdickung von Sehnenscheide und Ringband bestätigen; eine Röntgenaufnahme ist in der Regel nicht nötig.

Therapie

Konservativ

  • Kortikosteroid-Injektion an das A1-Ringband (Erfolgsrate 60–80%, Wiederholung möglich)

  • Ruhigstellung mit Schiene (Fingergrundgelenk in Extension)

  • Physiotherapie, Wärme-/Kälteanwendungen, NSAR

  • Geeignet bei leichten bis moderaten Beschwerden ohne Kontraktur

Operativ – Ringbandspaltung (A1)

  • Ambulant unter Lokalanästhesie (WALANT), ca. 10–15 Minuten

  • Spaltung des A1-Ringbandes über einen kleinen palmaren Zugang

  • Perkutane Variante (Nadelspaltung) bei ausgewählten Patienten möglich

  • Sehr hohe Erfolgsrate; frühfunktionelle Nachbehandlung ab dem Folgetag

Tendovaginitis de Quervain

Eine stenosierende Entzündung des 1. Strecksehnenfaches am Handgelenk. Betroffen sind die Sehnen des M. abductor pollicis longus (APL) und des M. extensor pollicis brevis (EPB).

Ursache

Ursächlich sind repetitive Daumen- und Handgelenksbewegungen (z. B. Heben von Kleinkindern, Büro- und Handwerksberufe, Sport). Die Erkrankung tritt bevorzugt bei Frauen mittleren Alters auf – häufig auch als Überlastungssyndrom nach der Geburt.

Symptome

  • Schmerzen radial am Handgelenk, in die Daumenregion ausstrahlend

  • Schwellung und Druckschmerz über dem 1. Strecksehnenfach

  • Schmerzverstärkung bei Ulnarabduktion und Daumenbewegungen

  • Positiver Finkelstein-Test (Daumen in der Faust, Ulnardeviation → Schmerz)

Diagnose

Primär klinisch durch Anamnese und Finkelstein-Test. Ultraschall zeigt die Verdickung des Sehnenfaches; MRT bei Unklarheiten oder zur Abgrenzung von Rhizarthrose und Ganglion.

Therapie

  Konservativ Operativ
Maßnahme Daumenschiene, NSAR, Kryotherapie Spaltung 1. Strecksehnenfach
Kortikosteroid Injektion in Sehnenfach (sehr effektiv)
Erholung 4–8 Wochen 2–3 Wochen
Erfolgsrate 50–80% >95%
Indikation Erstmaßnahme Bei Therapieresistenz

Besonderheiten der Operation

  • Ambulant in Lokalanästhesie, ca. 10–15 Minuten

  • Wichtig: Darstellung aller Fächerunterteilungen (anatomische Varianten häufig)

  • Vollständige Beschwerdefreiheit in >95% der Fälle

  • Schonung 2–3 Wochen, Fadenzug nach 12–14 Tagen

Wir sind für Sie da

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