handchirurgie
Verletzungen des Handgelenks
Frakturen, Bandverletzungen und ihre Spätfolgen
Nach einem Sturz – und das Handgelenk schmerzt noch Wochen später?
Ein Ausrutschen, ein Sturz vom Rad, ein Aufprall beim Sport: Man stützt sich mit der Hand ab und spürt sofort heftigen Schmerz, oft schwillt das Gelenk an. Nicht selten heißt es »Röntgen o. B.« – und trotzdem schmerzt es Tage später weiter. Nicht jede ernsthafte Verletzung ist im Röntgen sofort sichtbar: Bestimmte Knochen und alle Bänder sind dort nicht darstellbar und können dennoch gebrochen oder gerissen sein. Eine gründliche Untersuchung durch einen Handspezialisten – ggf. mit MRT oder CT – schützt vor Langzeitschäden wie Falschgelenk oder Arthrose.
Das Handgelenk ist eines der komplexesten Gelenke des Körpers: distaler Radius und Ulna, acht Handwurzelknochen sowie ein vielschichtiger Band- und Knorpelapparat. Verletzungen reichen von häufigen Frakturen bis zu komplexen Bandrupturen und erfordern eine präzise Diagnostik.

Distale Radiusfraktur
Die distale Radiusfraktur ist die häufigste Fraktur überhaupt und entsteht typischerweise durch Sturz auf die ausgestreckte Hand. Sie tritt bevorzugt bei Frauen nach der Menopause (Osteoporose) und bei jungen Sportlern auf.
Klassifikation
| Frakturtyp | Beschreibung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Colles-Fraktur | Extensionsfraktur, Dorsalkippung | Häufigste Form (ca. 80%) |
| Smith-Fraktur | Flexionsfraktur, Volarkippung | Sturz auf den Handrücken |
| Barton-Fraktur | Intraartikulär mit Luxationskomponente | Instabil, fast immer OP-pflichtig |
| Chauffeur-Fraktur | Fraktur des Proc. styloideus radii | Häufig Bandbeteiligung |
Diagnose
Therapie
Konservativ
Operativ (ORIF)
Kahnbeinfraktur (Skaphoidfraktur)
Die Skaphoidfraktur ist die zweithäufigste Handgelenksverletzung und wird wegen des oft unauffälligen Röntgenbefunds häufig übersehen. Sie entsteht durch Sturz auf die dorsalflektierte Hand.
Warum besondere Aufmerksamkeit? Das Skaphoid wird vorwiegend von distal durchblutet – der proximale Pol erhält kaum Blutversorgung. Frakturen im mittleren oder proximalen Drittel haben daher ein hohes Risiko für Pseudarthrose und Knochennekrose, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden.
Diagnose
Therapie
| Situation | Therapie | Dauer |
|---|---|---|
| Nicht-disloziert, distales Drittel | Unterarmgips mit Daumeneinschluss | 6–10 Wochen |
| Nicht-disloziert, Taille/proximal | Perkutane Herbert-Schraube | Frühmobilisation möglich |
| Disloziert (>1 mm, Angulation) | Reposition + Herbert-Schraube | 3–4 Monate |
| Pseudarthrose | Spongiosaplastik + Osteosynthese (± vask. Transplantat) | Individuell |
Bandverletzungen – SL-Band und TFCC
Skapholunäre Bandruptur (SL-Band)
Das skapholunäre Band ist das wichtigste intrinsische Handgelenksband. Seine Ruptur führt zu progressiver Instabilität (DISI-Deformität) und langfristig zur Handgelenksarthrose (SLAC-Wrist). Typisch ist ein Hyperextensions- und Rotationstrauma.
TFCC-Läsionen (Triangular Fibrocartilage Complex)
Der TFCC ist eine komplexe Struktur aus Knorpel, Bändern und Kapsel auf der ulnaren Handgelenksseite. Er stabilisiert das distale Radioulnargelenk (DRUG) und puffert zwischen Ulna und Handwurzel.
Handgelenksarthroskopie
Posttraumatische Handgelenkarthrose (SLAC / SNAC)
Unbehandelte oder chronische Bandverletzungen und Skaphoid-Pseudarthrosen führen zu einem charakteristischen Arthrosemuster (SLAC = scapholunate advanced collapse, SNAC = scaphoid non-union advanced collapse). Die Therapie richtet sich nach dem Stadium.
| Stadium | Befund | Therapie |
|---|---|---|
| I | Arthrose Scaphoid / Styloid | Débridement, Styloidektomie |
| II | Zusätzlich Scaphoid-Capitatum | Scaphoidektomie + 4-corner-fusion oder PRC |
| III | Gesamter Handwurzelbereich | Komplette Arthrodese oder Totalendoprothese |