Handchirurgie

Handarthrose

Gelenkverschleiß und Prothesenversorgung

Schmerzen beim Öffnen eines Glases – oder schon beim Händeschütteln?

Oft beginnt es schleichend: beim Aufdrehen von Schraubverschlüssen, beim Schlüsseldrehen oder nach körperlicher Arbeit. Mit der Zeit meldet sich der Schmerz häufiger, auch in Ruhe oder nachts; der Daumen wirkt instabil, die Fingergelenke verdicken sich. Das sind typische Zeichen einer Arthrose – des Verschleißes des schützenden Gelenkknorpels. Sie ist häufig, aber man muss nicht einfach »damit leben«: Mit den richtigen Maßnahmen lassen sich Schmerzen lindern und die Handfunktion erhalten.

Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung mit zunehmendem Abbau des Gelenkknorpels. An der Hand sind besonders das Daumensattelgelenk (CMC I, Rhizarthrose), die Fingergrundgelenke (MCP) und die Fingermittelgelenke (PIP) betroffen. Unbehandelt drohen Schmerzen, Deformierung und Funktionsverlust.

Rhizarthrose

Arthrose des Daumensattelgelenks (CMC I)

Die Rhizarthrose ist die häufigste Arthrose der Hand. Das Sattelgelenk am Übergang des ersten Mittelhandknochens zum Trapezbein ermöglicht die Oppositionsbewegung des Daumens und ist dadurch hohen Scherkräften ausgesetzt.

Symptome

  • Schmerzen radial an der Daumenbasis, besonders beim Greifen und Öffnen von Gläsern

  • Schwellung und Druckschmerz über dem CMC-I-Gelenk

  • Kraftminderung, Instabilität und zunehmende Deformierung

  • »Z-Daumen« im Spätstadium

Arthrosegrade nach Eaton und Littler

Grad Befund Therapie
I Normaler Gelenkspalt, Synovitis, leichte Laxizität Konservativ (Schiene, Injektion)
II Verschmälerter Gelenkspalt, Osteophyten <2 mm Konservativ / ggf. operativ
III Deutlich verschmälerter Spalt, Osteophyten >2 mm, Subluxation Operativ (LRTI, Prothese)
IV STT-Gelenk mitbetroffen, komplette Destruktion Prothese / Arthrodese

Konservative Therapie

  • Daumensattelgelenkschiene (statisch, ggf. dynamisch)

  • Kortikosteroid- oder Hyaluronsäure-Injektion in das CMC-I-Gelenk

  • Ergotherapie: Gelenkschutzprinzipien, Hilfsmittelberatung

  • NSAR oral oder topisch

Operative Therapie

LRTI (Ligament Reconstruction and Tendon Interposition)
  • Entfernung des Trapezbeins und Bandrekonstruktion mit Sehnenplastik

  • Bewährtes Goldstandardverfahren bei Grad III–IV

  • Sehr gute Langzeitergebnisse, Schmerzfreiheit in >90%

  • Ruhigstellung 6 Wochen, volle Belastung nach 3–4 Monaten

Operative Therapie

Sattelgelenk-Totalendoprothese

  • Bikondyläre Oberflächenersatzprothese (z. B. Maia®, Elektra®)

  • Erhalt der Beweglichkeit und schnellere Rehabilitation als LRTI

  • Indikation: aktive Patienten, Grad III–IV, gute Knochenqualität

  • Standzeiten >10 Jahre belegt; Revisionsoperationen möglich

Fingergelenksarthrose (MCP und PIP)

Arthrose der Fingergrund- (MCP) und Fingermittelgelenke (PIP) führt zu Heberden- (DIP) und Bouchard-Knoten (PIP), Achsabweichungen und Schmerzen. Funktionell besonders relevant ist die Einschränkung der PIP-Gelenke.

Therapieoptionen

Therapie Beschreibung Indikation
Konservativ Schiene, Injektion, Physio, NSAR Alle Stadien als Ersttherapie
Arthrodese Versteifung, dauerhaft stabil und schmerzfrei DIP-Gelenke, MCP II bei Ulnardeviation
Silikonprothese Flexibler Einbau (z. B. Swanson®), Beweglichkeitserhalt PIP, MCP bei rheumatischen Erkrankungen
Oberflächenersatz Anatomische Metallprothese (z. B. SR-PIP®) PIP-Arthrose, aktive Patienten

Fingergelenkprothesen im Detail

  • Silikonprothesen (Swanson): seit Jahrzehnten bewährt, Beweglichkeitserhalt und Achskorrektur, häufig bei rheumatoider Arthritis

  • Anatomischer Oberflächenersatz (SR-PIP, CapFlex-PIP): knochenerhaltend, mehr Stabilität, für aktive Patienten mit Arthrose

  • Arthrodese PIP: sehr zuverlässig, versteift das Gelenk in Funktionsstellung (ca. 40° Flexion), bevorzugt am Zeige-/Mittelfinger

Die Entscheidung zwischen Prothese und Arthrodese richtet sich nach Patientenalter, Aktivitätsniveau, betroffenem Finger und dem Ausmaß der Schädigung.

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