Handchirurgie

Dupuytren-Erkrankung

Morbus Dupuytren

Kennen Sie das? Ein Finger – oft der Ring- oder Kleinfinger – lässt sich immer weniger strecken.

Beim Händeschütteln bleibt er verkrümmt, die flache Hand auf den Tisch zu legen gelingt nicht mehr, und in der Handfläche tasten Sie vielleicht schon Knoten oder einen harten Strang. Das ist typisch für den Morbus Dupuytren – eine gutartige, aber fortschreitende Erkrankung des Bindegewebes. Sie ist gut behandelbar, und je früher wir handeln, desto einfacher und erfolgreicher ist die Therapie.

Die Dupuytren-Erkrankung ist eine gutartige, aber fortschreitende Veränderung der Bindegewebsplatte (Palmarfaszie) in der Handfläche. Durch einen Umbau des Bindegewebes entstehen narbige Stränge und knotige Verdickungen, die über Monate bis Jahre zu einer zunehmenden Beugekontraktur führen – betont am ellenseitigen Ring- und Kleinfinger. Die Greiffunktion wird beeinträchtigt und kann den Alltag erheblich einschränken.

Ursache und Risikofaktoren

Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Als mögliche Faktoren werden diskutiert:

  • Genetische Veranlagung (autosomal-dominant, variable Penetranz)

  • Nikotin, Alkohol und Ernährungsgewohnheiten

  • Höheres Lebensalter, männliches Geschlecht

  • Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus, Epilepsie, HIV

  • Bestimmte Medikamente (Barbiturate, Antiepileptika)

Die Erkrankung tritt häufig gemeinsam mit Karpaltunnelsyndrom und Springfinger auf. Dehnübungen und Schienen können den Verlauf nicht dauerhaft aufhalten.

Symptome

  • Kleine Knötchen (»Knuckle Pads«) über den Fingerstreckseiten als Frühzeichen

  • Knotige Verhärtungen und Stränge in der Handfläche

  • Progressive Beugekontraktur – bevorzugt Ring- und Kleinfinger

  • Eingeschränkte Greiffunktion; die Hand lässt sich nicht mehr flach auflegen

  • Störendes Hängenbleiben des Fingers; Schmerzen selten im Vordergrund

Wichtig: Ein langes Verschleppen mit jahrelanger Beugefehlstellung kann die Therapie verkomplizieren und das Ergebnis einschränken.

Diagnose

Die Diagnose erfolgt durch die klinische Untersuchung. Beurteilt werden Lage und Ausmaß der Knoten und Stränge, die Beweglichkeit der Finger sowie sekundäre Gelenkkontrakturen. Bildgebende Verfahren sind in der Regel nicht erforderlich.

Behandlung

Konservative Therapie (begrenzte Wirksamkeit)

  • Physiotherapie und Dehnübungen – verlangsamen den Verlauf kaum dauerhaft

  • Orthesen / Nachtschienen – begrenzter Nutzen im Frühstadium

  • Kortikosteroid-Injektionen – bei schmerzhaften Knoten möglich

  • Kollagenase-Injektionen (Xiapex®) – bei ausgewählten Strängen, derzeit nur eingeschränkt verfügbar

Operative Therapie – Therapie der Wahl

  • Perkutane Nadelfasziotomie (PNF): minimalinvasiv in Lokalanästhesie, kurze Erholung, höhere Rezidivrate – nur bei Hohlhandsträngen

  • Offene Fasziektomie: Standardverfahren bei ausgeprägten Kontrakturen, geringere Rezidivrate, 2–4 Wochen Rehabilitation

  • Dermofasziektomie: bei Hautbeteiligung oder Rezidiv, ggf. Hauttransplantation oder Lappenplastik

Vergleich der Operationsverfahren

  Perkutane Nadelfasziotomie Offene Fasziektomie
Durchführung Ambulant Ambulant möglich
Dauer ca. 10 Minuten 60–90 Minuten
Anästhesie Lokalanästhesie Lokal / WALANT / Regional / Narkose
Nachbehandlung Pflasterverband, ggf. Physio Castschiene 1 Wo., Fadenzug Tag 14
Rezidivrate Höher Geringer
Geeignet für Hohlhandstränge, ältere Patienten Fingerstränge, Gelenkkontrakturen, Rezidive

Operationsrisiken und Komplikationen

  • Wundinfektion, Nachblutung, Wundheilungsstörung

  • Nervenirritationen oder -schäden mit Sensibilitätsstörungen

  • Schmerzen und Narbenbildung

  • Rezidiv der Kontraktur (bei allen Verfahren möglich)

  • Bewegungseinschränkung durch Narbenbildung

Individuelle Risikofaktoren und Wahrscheinlichkeiten besprechen wir im persönlichen Aufklärungsgespräch.

Ablauf und Nachbehandlung

  • Präoperative Untersuchung sowie Besprechung von Technik und Zielen

  • Befundabhängig ambulante oder (selten) stationäre Durchführung

  • 1 Woche Ruhigstellung mit Castschiene, dann frühfunktionelle Physiotherapie

  • Regelmäßige Verbandswechsel bis Fadenzug nach ca. 14 Tagen

  • Ggf. Extensions- oder Quengelschiene nach abgeschlossener Wundheilung

Erwartete Ergebnisse

Viele Patientinnen und Patienten erreichen eine deutliche Verbesserung der Handfunktion und eine Reduktion der Kontraktur bis hin zur Wiederherstellung der freien Funktion. Wirkdauer und Rezidivrisiko hängen von der gewählten Methode und der individuellen Veranlagung ab.

Wir sind für Sie da

Ob an unserer rein privatärztlichen HeumarktClinic in Köln oder der auch für Notfälle zugänglichen Chirurgischen Tagesklinik in Asbach.

Vereinbaren Sie einen Termin – wir beraten Sie gerne zu Ihren Behandlungsmöglichkeiten.